Ausbaubilanz 2025: Bei der Solarenergie in NRW geht noch mehr

LEE NRW

Auch NRW bekommt die Zurückhaltung bei den privaten Dachanlagen zu spüren. Diesen Rückgang kann auch das Plus bei den Freiflächenanlagen nicht kompensieren, deren Ausbau zunehmend mit fehlenden Netzanschlüssen zu kämpfen hat.

Nordrhein-Westfalen hat zum dritten Mal in Folge beim Solarenergieausbau die Schwelle von 2.000 Megawatt Leistung überschritten. Wie eine vom Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) vorgenommene Auswertung der vorläufigen Meldungen im Marktstammdatenregister [1] zeigt, sind im vergangenen Jahr landesweit rund 173.000 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 2.000 MW neu in Betrieb gegangen. Darunter sind knapp 85.000 Balkonkraftwerke, die mit 106 MW immerhin rund 5% des Zubaus ausmachen und sich für immer mehr Bundesbürgerinnen und Bundesbürger als Einstiegstechnik in die Energiewende etabliert haben. Im Bundesländervergleich rangiert NRW nach Bayern und Baden-Württemberg auf Rang drei.

Nach der LEE NRW-Analyse sind im vergangenen Jahr in den Kreisen Rhein-Kreis Neuss (knapp 125 MW), Rhein-Erft-Kreis (ca. 105 MW) und Steinfurt (77 MW) die meisten Solaranlagen neu installiert worden, darunter auch einige größere Freiflächenanlagen. Bei den Kommunen gehören Jüchen (71 MW), Köln (44,5 MW) und Essen (34,5 MW) zu den Top 3 (vollständige Liste mit einer Übersicht im Anhang). Zufrieden zeigt sich der LEE NRW, dass der Solarausbau auch in kleineren und mittelgroßen Kommunen stattfindet. Indikator dafür ist eine Berechnung, wieviel Kilowatt Solarleistung pro Kopf installiert worden ist. Bei dieser Betrachtung liegt die Jüchen mit 2,95 Kilowatt pro Einwohner ganz vorne, gefolgt von Aldenhoven (1,59 kW) und Bedburg (1,31 kW).

„Die Solarenergie hat sich zwar landesweit etabliert, der zuletzt zu beobachtende technische und wirtschaftliche Solar-Aufschwung ist allerdings vorerst gestoppt“, bewertet LEE NRW-Vorsitzender Hans-Josef Vogel die jüngsten Zahlen, „gegenüber dem letztjährigen Rekordjahr mit knapp 2.350 MW Leistung hat es 2025 ein Minus von immerhin 15 Prozent gegeben.“ Den Rückgang führt Vogel auf die strukturelle Schwäche des NRW-Solarausbaus zurück: „Der Solarboom basierte in Nordrhein-Westfalen fast ausschließlich auf privaten Dachanlagen. Genau in diesem Segment gab es im letzten Jahr bundes- wie auch landesweit ein Minus von annähernd 30 Prozent.“

Diesen Einbruch konnte das Plus bei den solaren Freiflächenanlagen nicht wettmachen. 2025 sind in den fünf NRW-Regierungsbezirken insgesamt 218 Freiflächen-Projekte mit 380 MW Leistung neu in Betrieb gegangen. Mit einem Anteil von 19 Prozent der Gesamtleistung erreichte die „Freifläche“ in NRW erstmals einen zweistelligen Prozentsatz.

Für den LEE NRW ist diese Entwicklung vorerst nur ein „erster Hoffnungsschimmer“: „Nach wie vor ist das Ziel der Bundesregierung, dass der Solarausbau jeweils zur Hälfte auf Dächer und auf Freiflächen erfolgen soll“, verweist der LEE NRW-Vorsitzende auf die offiziellen Vorgaben, „das macht auch Sinn, weil auf Freiflächen erzeugter Solarstrom die absolut günstigste regenerative Energie ist. Was wichtig für die Eigenstromversorgung unserer Industrie ist.“ Auch in absoluten Zahlen hinkt NRW beim Bau neuer Freiflächenanlagen deutlich hinter anderen Bundesländern her.

Vogel lehnt die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche entschieden ab, mit der anstehenden Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes die Vergütung für private Dachanlagen zu streichen: „Reiches Aufgabe als Ministerin ist es, die Wirtschaft zu fördern und nicht abzuwürgen. Kommt es wirklich zum Aus für die Förderung privater Dachanlagen, kann die NRW-Landesregierung ihre solaren Ausbauziele vergessen.“

Die Bundesregierung plant demnächst Milliarden-Subventionen für neue fossile Gaskraftwerke, die von bekannten Energiekonzernen betrieben werden, „Dass viele Bundesbürger dagegen keine Unterstützung mehr für den Einstieg in ihre private Energiewende erhalten sollen, ist ein Unding“, so Vogel, „die Photovoltaik ist der Einstieg in weitere nachhaltige Techniken wie die Wärmepumpe oder die kostengünstige Mobilität mit einem Elektroauto.“

Ein Ärgernis sind derzeit nicht nur die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geplanten drastischen Einschnitte bei der solaren EEG-Förderung, sondern auch die dürftige Bilanz von solaren Anlagen auf den Dächern von NRW-Landesliegenschaften. Nur auf 160 dieser rund 4.000 Gebäude ist bislang eine Photovoltaikanlage installiert worden. Dabei fordert die 2024 geänderte Landesbauordnung (§42a BauO NRW): „Auf geeigneten Dachflächen von Landesliegenschaften sind möglichst bis zum 31. Dezember 2025 Anlagen zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie zu installieren und zu betreiben.“ Vogel: „Wir vermissen die Ernsthaftigkeit, die gesetzlichen Vorgaben für das Land selbst umzusetzen. Das Land wird beim Ausbau Erneuerbarer Energien seiner Vorbildfunktion nicht gerecht.“

Damit es in NRW zu keinem Abbruch beim Ausbau aller regenerativer Energien kommt, fordert Wolfgang Glahn von der Landesregierung, zu einem Netz-Gipfel einzuladen. „Nicht nur im Windsektor hakt es bei den Netzanschlüssen, sondern auch zunehmend bei großen solaren Freiflächenparks und Batteriespeicherprojekten“, sagt der NRW-Regionalleiter der Enerparc AG. Das Solarunternehmen zählt nach eigenen Angaben bundesweit zu den Top 3 der Projektierer, die größere Solarparks planen und errichten. In diesem Jahr hat Enerparc den Bau eines Solarparks mit Batteriespeicher und einer Leistung von über 40 MW in der Nähe von Bad Wünnenberg (Kreis Paderborn) vorgesehen.

„Die Landesregierung wäre gut beraten, schnell die Bundesnetzagentur, viele Netzbetreiber, die Wind- und Solarbranche, die Politik und die Verbände an einen Tisch zu bringen, damit die Netze nicht zur Achillesferse für die NRW-Energiewende werden“, betont Glahn. Insbesondere ist es wichtig, sich auf Vorgaben zu einigen, die einheitlich und akzeptabel für alle Beteiligten umgesetzt werden können.“ Die Zurückhaltung von einigen Netzbetreibern, allen voran von dem Eon-Tochterunternehmen Westnetz GmbH, ist für den Solarmanager unverständlich: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Netzsituation in NRW nicht so angespannt, als dass mehr oder weniger durch die Bank fast alle Netzanschlussanträge für Batteriespeicher abgelehnt oder massiv verzögert werden müssen.“ Es werde übersehen, dass gerade die subventionsfreien Speicher helfen, den Bau neuer Netze zu reduzieren und helfen, die Preisspitzen bei den Strompreisen zu glätten.

Der langjährige Solarmanager Glahn erhofft sich von der Landesregierung außerdem Unterstützung für die kommunalen Genehmigungsbehörden: „Wir müssen immer wieder feststellen, dass sich Auflagen aus den Behörden widersprechen oder unverhältnismäßig sind, um Solarparks und Batteriespeicher zu genehmigen.“ Das sei mit der entscheidende Grund für die viel zu langen Bearbeitungszeiten. Glahn: „Es geht darum, die Genehmigungsprozesse deutlich zu entbürokratisieren und die Behörden für eine konstruktive und zielorientierte Zusammenarbeit zu gewinnen.“

Der LEE NRW-Vorsitzende Vogel empfiehlt der Landesregierung eine „Taskforce Solarenergie“ zu schaffen: „Ein solches Gremium hat sich im Windsektor durchaus bewährt. Die Solarenergie ist für die Energiewende in NRW unverzichtbar, weshalb sie auch mehr im Fokus von Politik und Behörden stehen muss.“

[1] Die Zahlen datieren vom 29. Januar 2026. Es kann noch zu leichten Verschiebungen (nach oben) kommen, da Betreiber ihre neuen Solaranlagen erfahrungsgemäß auch noch nach der vorgeschriebenen Vier-Wochen-Meldefrist im Marktstammdatenregister registrieren.

Hinweis: Sollten Sie weitere Wünsche, Details etc. zu den kommunalen und regionalen Ausbauzahlen haben, bitte wenden Sie sich beim LEE NRW direkt an Jakob Schmid – Handy-Nr. 0 1520/273 21 58; Jakob.Schmid@lee-nrw.de!

NRW Solarenergieausbau 2025

Kommunales Solar-Ranking NRW 2025

Quelle: Landesverband Erneuerbare Energien NRW e. V. (LEE NRW) vom 3.2.2026
www.lee-nrw.de

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