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Spitzentreffen Windkraft auf See verdeutlicht dringenden Handlungsbedarf

WAB

Auf Einladung von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies trafen sich die Nordländer, Vertreter der Bundesregierung und der Industrie am 7. Oktober in Hannover zur gemeinsamen Konferenz über die Zukunft der Offshore-Windindustrie. Olaf Lies erklärte, es bestehe großer Handlungsbedarf, nachdem die Bundesregierung mit dem Klimapaket klare Ziele auf den Weg gebracht habe. Dieser Handlungsbedarf ist aus Sicht des WAB e.V. und der Stiftung Offshore-Windenergie akut.

Die volkswirtschaftliche Bedeutung und Potenziale der On- und Offshore-Windindustrie müssen endlich politisch erkannt und berücksichtigt werden. Mit einer raschen Umsetzung des im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Sonderbeitrags von bis zu 2 Gigawatt kann der bereits eingetretene „Fadenriss“ beim heimischen Ausbau der Offshore-Windkraft zumindest abgemildert und bedrohte Arbeitsplätze gesichert werden, so die Branchenvertreter. Bundesregierung und Bundestag sind jetzt gefordert, die entsprechenden gesetzlichen Anpassungen im EEG und WindSeeG kurzfristig auf den Weg zu bringen. Ohne diesen Sonderbeitrag sind Netzanschluss-Kapazitäten über mehrere Jahre nicht ausgelastet, was volkswirtschaftlich wenig Sinn macht. Da die aktuelle Schieflage von Offshore-Unternehmen bereits Einfluss auf die laufende Projektumsetzung hat, gilt es, möglichst schnell und unbürokratisch gemeinsam mit Politik und Wirtschaft Lösungen zu finden.

Die Wasserstoffproduktion mit Windkraft kann eine wichtige Rolle für die Energiewende spielen, findet aber im jetzt vorgelegten Entwurf für das Bundes-Klimaschutzgesetz keine wesentliche Berücksichtigung. Für eine Wasserstoffproduktion in einem industriellen Maßstab ist ein schnellerer Ausbau der Windkraft unerlässlich. 

Der Entwurf des Gesetzes wird der aktuellen Situation, die durch Insolvenzen, Stellenabbau und sinkende Wertschöpfung für die heimische Windindustrie gekennzeichnet ist, nicht gerecht. Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Offshore-Windenergie, erklärt: „Wir brauchen neben kurzfristig wirksamen Maßnahmen auch eine deutliche Erhöhung der Offshore-Windkapazität über das Jahr 2030 hinaus, mit einer klaren Perspektive bis 2040 und 2050. Die Branche und die Küstenländer setzen sich seit September 2017 für eine Kapazität von mindestens 30 GW bis zum Jahr 2035 ein. Das entspricht einem Zubau von 2 GW pro Jahr nach 2030.“

„Unter Berücksichtigung der Entwicklung neuer Speichertechnologien und der Sektorkopplung fordert die WAB gemeinsam mit der Bremer Landespolitik einen Offshore-Ausbaupfad von 35 Gigawatt bis 2035“, ergänzt Heike Winkler, Geschäftsführerin des WAB e.V. Bei einem Ausbaupfad von 40 GW könnte die Anzahl der Beschäftigten laut einer Studie des Forschungsinstituts wind:research auf 35.000 Arbeitsplätze gesteigert werden, wodurch auch Akzeptanz in der Bevölkerung gewonnen werden könnte.

Die WAB und die Stiftung Offshore-Windenergie werten das vom niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies initiierte Treffen als wichtigen Schritt zur weiteren Umsetzung der Beschlüsse des Klimakabinetts: „Wir brauchen eine starke Allianz aus Politik und Wirtschaft, um die industriepolitische Chancen am Standort Deutschland zu wahren und den heimischen Markt wieder attraktiver zu gestalten,“ so die beiden Organisationen. Es muss einen klaren Fahrplan „Energiewende“ geben. Das EEG hat in den vergangen zwei Jahrzehnten einen schnellen Aufbau der On- und Offshore-Windindustrie ermöglicht. Auch mit Blick auf den globalen Wettbewerb um die Zuliefererindustrie und auf weitere Exportchancen gilt es, diese Position durch verlässliche Rahmenbedingungen zu erhalten und auszubauen.

Über die Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE

Die gemeinnützige Stiftung der deutschen Wirtschaft zur Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See wurde 2005 auf Initiative der Branche und unter Moderation des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gegründet. Ziel der Stiftung ist es, die Rolle der Offshore-Windenergie im Energiemix der Zukunft in Deutschland und Europa zu festigen und ihren Ausbau im Interesse von Umwelt- und Klimaschutz voranzutreiben.

Über den WAB e.V.

Der WAB e.V. ist das führende Unternehmensnetzwerk für Windenergie in der Nordwest-Region und bundesweiter Ansprechpartner für die Offshore-Windenergiebranche in Deutschland. Dem Verein gehören mehr als 270 Unternehmen und Institute aus allen Bereichen der Windenergie-Industrie, der maritimen Industrie sowie der Forschung an.

Quelle: Windenergie-Agentur WAB vom 9.10.2019
www.wab.net

vgl. Altmaiers Windplan erster Lichtblick

s. Bremer Erklärung zur Windenergie – „Der Deckel muss weg!“

s. Quartalszahlen für Windenergiezubau an Land bedrohlich – Politische Entscheidungen dringend erforderlich

vgl. Gemeinsame Anstrengungen zur Sicherung des Windenergieausbaus dringend notwendig – Zweite Ausschreibungsrunde 2019 endet erneut mit deutlicher Unterdeckung

vgl. LEP harter Rückschlag für Energiewende in NRW

s. „15 Eckpunkte für das Klimaschutzgesetz“ – Dr. Simone Peter kommentiert Vorschläge von Agora Energiewende und Agora Verkehrswende